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Gelbe Gruppe gehört jetzt zu den „Trend-Sitzern“

Wolfgang Sterz
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Allgemein, News

Eine kleine Zeitreise hat es für die Gelbe Gruppe vor den Ferien gegeben. Hanna Rebel, Christine Kempter, Yuki Kristen und Kathrin Fitz luden die Eltern und Kinder zu zwei Filznachmittagen ein und brachten ihnen dabei eine Jahrtausende alte Kulturtechnik näher, die schon in Homers Schriften erwähnt wird. Das Ergebnis waren wunderschöne, selbstgemachte Sitzkissen für alle aus der Gelben Gruppe.


Anthropologen vermuten, dass die Menschen bereits seit über 8000 Jahren filzen. Wie genau unsere Vorfahren darauf kamen, ist bis heute ein Rätsel. Da Filz recht schnell verrottet, gibt es kaum archäologische Funde. Die Augsburger Filzexpertin Monika Fergg vermutet in ihrem spannenden Buch „Filzen für Einsteiger“, dass vielleicht einst ein Hirte „seine Schlafstatt mit gesammelten Tierhaaren auspolsterte und dabei beobachtete, wie sich infolge von Druck, Reibung, Feuchtigkeit und Wärme die Unterlage zu einer festen Matte verfilzte“. Wie dem auch sei: Filzen ist inzwischen ein Trend – und die Gelbe Gruppe gehört nun zu den „Trend-Sitzern“, denn an den zwei Nachmittagen sind 14 tolle Sitzfilze entstanden.

Damit der Filzspaß schnell beginnen konnte, hatten Hanna, Christine, Yuki und Natascha (Sophies Mutter) die Rohlinge vorbereitet. Diese hatten sie aus bunten Vorfilzstreifen in Webeoptik geflochten. Nun durften die Kinder die roten, grünen, gelben, pinken und blauen Matten mit warmem Seifenwasser bespritzen, bis der Stoff schön nass war. Dann legten die Filzer der Gelben Gruppe Knallfolie mit den Noppen nach unten auf die triefenden Stoffe, verteilten Kernseife und Wasser darauf – und los ging das „Streicheln“. „Von außen nach Innen in kreisenden Bewegungen, damit die Stoffe nicht größer werden“, sagte Hanna, die seit 28 Jahren filzt und schon einige Filzkurse belegt hat. Und wie viel Druck ist gut? Hanna: „Wie beim Streicheln einer Katze, ganz sanft.“ Nachdem die Matten von beiden Seiten „durchgestreichelt“ waren, wurden sie richtig in die Mangel genommen: Sie wurden mehrmals auf einen Stab aufgewickelt und dann je 30 Mal hin und her gerollt. „Das ist eine alte Technik aus Asien, die auch in Schweden weit verbreitet ist“, erklärte Hanna. Durch den Stab verheddern die Wollfasern der Stoffe schneller zu einem Filz. Was die Eltern der Gelben Gruppe in Hand-Arm-Arbeit erledigten, wird in der Mongolei übrigens mit einem PS gemacht. Dort ziehen noch heute Pferde große Filzrollen durch die Steppe, sodass am Ende Filzteppiche entstehen.

„Wie die das wohl früher gemacht haben?“, fragten sich einige Eltern beim nächsten Schritt: dem Ausschlagen auf einer Art Autofußraum-Matte. Dazu wurden die inzwischen schon ordentlich verfilzten, nassen Filze auf die Gummi-Noppen geworfen – und siehe da: Die Sitzkissen schrumpften. Daran hatten alle ihre Freude. „Patsch, Patsch, Patsch“ – klang es durch den Gruppenraum. Stolz hängten die Kinder anschließend die fertigen Sitzkissen auf den Trockenständer. Hanna strahlte: „Die sind so schön geworden.“
Es ging bei der Filz-Aktion natürlich nicht nur um Spaß und Sitzkissen. „Der Umgang mit der Wolle gibt uns den Umgang mit der Natur zurück“, erklärte Hanna, „Filzen bringt uns in Kontakt mit unserem Selbst und schult unsere motorischen, kognitiven und psychosozialen Fähigkeiten.“ Die Filz-Aktion war daher in mehrfacher Hinsicht „Sinn-voll“: Die Kinder der Gelben Gruppe trainierten beispielsweise ihre Auge-Hand-Koordination, die Wärme-Kälte-Wahrnehmung, ihren Farbsinn. Außerdem sahen und spürten sie auch, wie sich das Material unter den Plastikfolien durch ihre Arbeit langsam veränderte. Davon ist auch Christine immer wieder begeistert: „Mich fasziniert das Weiche und was aus der Wolle wird“, sagte sie, während sie das letzte Sitzkissen mit Stock und Seife bearbeitete.

A propos Wolle: Mit ihrem Filznachmittag spürten die Kinder auch unbewusst ein Stück Augsburger Geschichte. Schließlich gehörte die Wollverarbeitung auch zur hiesigen ehemaligen Textilindustrie. Daran erinnern übrigens auch die Betonschafe, die neuerdings am Textilmuseum in der Kammgarnspinnerei „grasen“.

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